Ältere Dame betrachtet ihre Smartwatch
Notrufhilfen

Notrufuhr vs. Hausnotruf: Was ist der Unterschied – und was passt zu Ihnen?

Wer im Notfall schnell Hilfe rufen möchte, hat heute mehr Optionen denn je. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Unterschiede zwischen Notrufuhr und klassischem Hausnotruf, nennt typische Kosten und erklärt, wann die Pflegekasse die Kosten übernimmt.

Lesezeit: ca. 8 Minuten Thema: Notrufhilfen

Was ist ein Hausnotruf?

Der klassische Hausnotruf besteht aus einem Basisgerät, das per Telefonleitung oder Mobilfunk mit einer Notrufzentrale verbunden ist, und einem tragbaren Sender – meist als Armband oder Anhänger. Im Notfall drückt die Person den Knopf am Sender; die Zentrale meldet sich per Lautsprecher und kann bei Bedarf Rettungskräfte oder Angehörige alarmieren.

Hausnotrufsysteme sind seit Jahrzehnten erprobt und werden von vielen gemeinnützigen Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe oder dem Malteser Hilfsdienst angeboten. Sie sind auf den Einsatz im häuslichen Bereich ausgelegt.

Wichtig: Der klassische Hausnotruf funktioniert in der Regel nur innerhalb der Reichweite des Basisgeräts, also typischerweise in der eigenen Wohnung oder im unmittelbaren Umfeld wie Garten oder Hausflur.

Was ist eine Notrufuhr?

Eine Notrufuhr ist ein am Handgelenk getragenes Gerät, das deutlich mehr Mobilität ermöglicht. Moderne Notrufuhren verfügen über integriertes GPS und eigene SIM-Karte; sie funktionieren daher überall dort, wo Mobilfunkempfang besteht – also auch im Supermarkt, im Park oder auf Reisen.

Neben dem manuellen Notrufknopf bieten viele Modelle zusätzliche Funktionen:

  • Automatische Sturzerkennung: Das Gerät erkennt selbständig, wenn die Trägerin oder der Träger gestürzt ist, und kann automatisch Hilfe anfordern.
  • Herzfrequenzmessung: Bei einigen Modellen als optionaler Sensor verfügbar.
  • Zweiweg-Kommunikation: Die Notrufuhr besitzt ein eingebautes Mikrofon und Lautsprecher, sodass direkt mit der Notrufzentrale gesprochen werden kann.
  • Ortungsfunktion: Angehörige können bei Bedarf den aktuellen Standort auf einer App einsehen.

Direkter Vergleich: Hausnotruf vs. Notrufuhr

Merkmal Hausnotruf Notrufuhr
EinsatzbereichHauptsächlich zu HauseZuhause und unterwegs
ReichweiteBegrenzt (Funkreichweite)Überall mit Mobilfunk
GPS-OrtungMeist nicht enthaltenHäufig integriert
SturzerkennungSelten verfügbarOft integriert
TragekomfortKnopf als Anhänger/ArmbandWie eine Armbanduhr
Monatliche Kostenca. 20–30 €ca. 30–60 €
KassenleistungMöglich (Pflegegrad)Möglich (Pflegegrad)
TechnikaufwandGeringEtwas höher (Laden nötig)
Hinweis zu Preisen

Die angegebenen Preise sind Richtwerte. Tatsächliche Kosten hängen vom Anbieter, dem gewählten Tarif und zusätzlichen Leistungen ab. Vergleichen Sie Angebote und fragen Sie im Zweifelsfall Ihre Pflegekasse.

Wann übernimmt die Pflegekasse die Kosten?

Personen mit einem anerkannten Pflegegrad können unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss für Hausnotrufsysteme oder Notrufuhren erhalten. Zuständig ist die Pflegekasse, nicht die Krankenkasse.

Grundsätzlich gilt:

  • Personen mit Pflegegrad 1–5 können Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen bezuschussen lassen. Hausnotrufsysteme fallen häufig darunter (§ 40 SGB XI).
  • Der Zuschuss beträgt bis zu 4.000 Euro je Maßnahme. Wichtig: Es handelt sich um einen Zuschuss, keine Vollfinanzierung.
  • Für Notrufuhren ohne stationären Anschluss gilt dasselbe Prinzip, allerdings hängt die Einordnung vom jeweiligen Anbieter und Antrag ab.

Sprechen Sie Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe an. Pflegestützpunkte beraten kostenlos und unabhängig und helfen bei der Beantragung.

Für wen eignet sich welche Lösung?

Hausnotruf ist geeignet, wenn …

  • die Person überwiegend zu Hause lebt und selten allein das Haus verlässt.
  • Wert auf einfache Bedienung ohne Aufladen gelegt wird.
  • die Kosten möglichst gering gehalten werden sollen.

Notrufuhr ist geeignet, wenn …

  • die Person noch aktiv und mobil ist und viel außer Haus unterwegs ist.
  • GPS-Ortung für Sicherheit und für Angehörige wichtig ist.
  • eine automatische Sturzerkennung gewünscht wird.
  • eine moderne, unauffällige Optik bevorzugt wird.

Worauf sollten Sie beim Kauf achten?

  • 24/7-Notrufzentrale: Die Notrufzentrale sollte rund um die Uhr erreichbar sein und auf Deutsch kommunizieren können.
  • Wasserdichtigkeit: Das Gerät sollte auch beim Duschen oder Waschen getragen werden können, da viele Stürze im Badezimmer passieren.
  • Akkulaufzeit: Achten Sie auf ausreichende Akkulaufzeit und einfaches Laden, damit das Gerät nicht vergessen wird aufzuladen.
  • Vertragslaufzeit: Bevorzugen Sie kurze Vertragslaufzeiten oder monatlich kündbare Modelle, insbesondere wenn sich die Lebensumstände ändern könnten.
  • Testphase: Manche Anbieter bieten eine Testphase an. Nutzen Sie diese, um das System im Alltag zu erproben.

Zusammenfassung

Sowohl der klassische Hausnotruf als auch moderne Notrufuhren sind sinnvolle Sicherheitslösungen für Senioren. Welche besser passt, hängt vom individuellen Lebensstil, dem Mobilitätsgrad und dem persönlichen Budget ab. Lassen Sie sich von Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt beraten – diese Stellen kennen die aktuellen Fördermöglichkeiten und können helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Stürze verhindert werden können, lesen Sie unseren Ratgeber: Stürze im Alter – Ursachen und Prävention.